Immer diese Ungeduldigen

Gleich zu Anfang, der Blog schläft immer noch und wird es auch noch eine Weile. Aber das folgene muss einfach raus.

Ich weiß, dass Leser zum ungeduldigen Volk gehören, auch ich zähle mich dazu. Ich kann es nie erwarten, dass von meinen Lieblingsautoren und -autorinnen endlich etwas Neues erscheint. Hibbele ungeduldig auf das Erscheinungsdatum hin, bestelle schon Monate im voraus und wenn ich es erst 3 Tage nach dem Stichtag bekomme, bin ich schon etwas genervt. Da geht dann der Buchhamster mit mir durch. Momentan schaffe ich es nicht mal Bücher zu lesen, die ich schon monatelang besitze, aber erst mal haben, dass kennt ihr bestimmt.

Doch manche übertreiben es etwas. Werden ungehalten und zum Teil sogar beleidigend dem Verlag oder der Autorin gegenüber, wenn es etwas länger dauert. Ein aktuelles Beispiel, auf das ich nicht näher eingehen möchte, zeigt mal wieder deutlich, dass Facebook auch seine Schattenseiten hat.

Kleine bzw. mittelständische Verlage geben meist kein konkretes Erscheinungsdatum an, nur ein ungefähres. Denn wenn das Buch fertig ist, dann ist es fertig und nicht eher. Manche Leser haben gar keine Vorstellung, wie viel Arbeit ein Buch macht. Einfach schreiben und dann auf den Markt werfen ist nicht. Natürlich fängt es beim Autor an. Er oder sie muss sich hinsetzen und die Fantasie fließen lassen, allein sich etwas Neues zu überlegen dauert schon seine Zeit. Dann kommt der Schreibprozess, mal küsst einem die Muse nur leicht, an anderen Tagen leckt sie einen von unten nach oben ab und man schafft wahnsinnige 10.000 Wörter am Tag. Aber es gibt auch Tage, da lässt sie sich gar nicht Blicken und dann sitzt der Schreiberling da und zweifelt an sich, gibt Vermisstenanzeigen auf.

Schreiben dauert nun mal seine Zeit und hetzten lässt sich niemand gerne. Hinzu kommt noch, dass die meisten Autoren nicht allein vom Schreiben leben können. Sie haben zum Teil Vollzeitjobs, hinzu kommt dann auch noch die Familie, Freunde, Haustiere. Die möchten auch nicht vernachlässigt werden. All das fließt in die Schreibzeit hinein. Ein Buch entsteht nicht über Nacht.
Wenn der Autor/die Autorin "Ende" unter sein/ihr Manuskript gesetzt hat, ist seine/ihre Arbeit noch lange nicht zu Ende. Jetzt fängt das überarbeiten an; funktioniert die Szene so, sollten hier und dort eventuell mehr Details hinein etc. pp. . Wenn alles überarbeitet ist, lesen manche Autoren ihr Werk noch gefühlte 1000 Mal durch, um ja keinen Fehler zu übersehen. Erst wenn sie damit zufrieden sind, geht es an den Verlag.

Wer jetzt denkt, dass es ab jetzt schnell gehen wird, irrt sich wieder. Ich arbeite seit Februar 2012 als freie Lektorin für einen Erotikverlag. Ich weiß also, wie lange es manchmal dauern kann, bis ein Roman endgültig erscheint. Es geht nach der Einreichung durch mehrere Hände. Natürlich bekommt es erst der Verleger oder in meinem Fall die Verlegerin. Insofern es ein angefordertes Manuskript ist, geht es relativ schnell an den Lektor oder die Lektorin. Manchmal kann es auch ein paar Wochen oder Monate dort liegen, je nach Betrieb. Wenn der Lektor dann das Manuskript vor sich auf dem Bildschirm liegen hat, geht die Arbeit richtig los. Ich spreche aus Erfahrung, kein Autor/Autorin schreibt Veröffentlichungsreif. Man ist als Lektor eine Art Detektiv, man muss all die kleinen bösen Fehler finden, sei es Rechtschreib-, Grammatik-, Perspektiven- oder die manchmal witzigen Logikfehler. All das muss gefunden werden. Dinge müssen gestrichen oder verändert werden. Auch das dauert seine Zeit. Ich bilde mir mal ein, dass ich schnell bin und schaffe ein MS in circa 3-6 Tagen, je nach Aufwand. Meistens arbeite ich aber kein Manuskript komplett in einer Woche durch, dass kann sich gut und gerne auch mal 1 Monat hinziehen. Denn wie auch die Autoren, arbeiten viele Lektoren freiberuflich und haben noch andere Jobs parallel.
Also nach der Verlegerin geht es zur Lektorin, die verbessert, Kommentare gibt, wie es stimmiger werden könnte, und und und. Danach geht es zurück zur Autorin, die dann alles ändert und korrigiert, was die böse Lektorin gefunden hat. Erst wenn dieser Prozess vorüber ist und alles wieder gefühlte 1000 Gegengelesen wurde, geht es an den Verlag zurück.

Doch noch immer ist die Arbeit nicht vorbei und das Buch erscheint, denn es geht nun in das Korrektorat. Dort werden noch einmal Kommas und die Rechtschreibung kontrolliert. Inhaltlich stimmt ja jetzt alles (müsste). Danach geht es wieder zur Autorin, die noch einmal drüber schaut. Erst wenn sie 100%-ig zufrieden ist, geht es an den Verlag zurück. Ab jetzt dauert es nicht mehr lange. Das Buch steht schon seit einer Weile in der Vorschau, die Leser werden hibbelig. Doch nun muss ein Cover gefunden werden. Meist geschieht das parallel zum Korrektorat oder sogar schon früher. Die Grafikerin muss dann das gewählte Motiv bearbeiten, retuschieren, Schriften aussuchen, alles justieren, anordnen und das Okay der Autorin und der Verlegerin abwarten. Auch das dauert wieder seine Zeit. Mittlerweile können Monate vergangen sein, doch Qualität braucht nun mal seine Zeit. Wenn alles fertig ist, das Buch, das Cover, muss es noch formatiert bzw. gesetzt werden für den Druck. Und wie sollte es anders sein, auch das braucht Zeit.

Und dann ist der große Tag da, der Verlag kündigt das Buch an, stellt das Cover vor. Alle freuen sich, denn bald ist es soweit, bald können sie das Buch oder das ebook auf dem Reader in den Händen halten. Nur noch wenige Tage und das Leserherz schlägt höher.
Die meisten freuen sich einfach, dass zum Beispiel von der Lieblingsautorin endlich wieder etwas erscheint aber dann gibt es halt die, die lieber meckern als sich zu freuen. Ihnen geht es nicht schnell genug, sie wollen das Buch sofort. Doch nur weil das Buch bzw. Cover vorgestellt wurde, heißt es nicht, dass es sofort erscheint. Das Buch muss auch noch ausgeliefert werden, bevor es zum Beispiel das große A vorrätig hat. Ebooks gehen schneller aber auch da kommen manche Portale nicht hinterher. Und der Unmut der Meckerer steigt immer mehr. Wieso ankündigen, wenn man nicht sofort liefern kann, fragen sie sich. Auch hier kann ich nur sagen, alles dauert seine Zeit.

Beim aktuellen Beispiel hätte ich am liebsten etwas dazu gesagt, tue es indirekt hiermit. Das Cover wurde enthüllt, alle freuen sich. Auch ich freue mich, denn ich habe an dem Buch mitgearbeitet, bald darf ich es in den Händen halten. Doch es gab mal wieder eine (soweit ich gesehen habe) Stimme, die sich beschwert, dass es noch 1-2 Wochen dauert, bis das Taschenbuch erscheint, eventuell auch länger. (Es war ursprünglich für Juli angekündigt, erscheint also schon früher)
Ja, sie freut sich, dass wieder ein Buch der Autorin erscheint aber ihr geht es nicht schnell genug. Ich hätte ihr am liebsten geschrieben, dass sie sich darüber freuen soll, dass es das zweite Buch der Autorin in diesem Jahr ist. Das letzte ist erst vor knapp 2 Monaten erschienen, schneller geht es nun wirklich nicht.

Also freu dich, dass sie so eine fleißige Schreiberin ist und dich ein paar Mal im Jahr mit ihren Büchern begeistert. Freu dich einfach, dass sie überhaupt etwas veröffentlicht, die Verlegerin ihr die Möglichkeit gibt, nicht nur 1 Buch pro Programm zu veröffentlichen, und meckere nicht herum, dass es dir nicht schnell genug geht! Denk dir deinen Teil, aber poste es nicht. Es ist beleidigend und nicht gerade fair. Verkünde deine Freude darüber aber behalte deinen (unberechtigten) Unmut für dich.

Wie gesagt Qualität braucht seine Zeit und jeder sollte sich im klaren darüber sein, dass Bücher verdammt viel Arbeit machen. Wer etwas anständiges zu lesen haben will und nicht bei jedem dritten Wort über Fehler stolpern will, der sollte froh darüber sein, dass ein Buch so viele Schritte durchläuft. Ab und an gibt es sogar noch einen Zwischenschritt mehr. Also seit einfach froh darüber, dass es überhaupt Autoren/Autorinnen gibt, die euch mit ihren Geschichten begeistern, euch durch eine Achterbahn der Gefühle schicken, die euch einfach glücklich mit ihren Roman machen wollen.

Meckert nicht herum, sondern schätzt die Arbeit, die dahinter steckt!

PS: Falls ich irgendwelche Schritte vergessen habe, korrigiert mich bitte ;)

2 Kommentare

{ P. } at: 21. Juni 2013 um 18:46 hat gesagt…

Mhm. Weiß ich, was du meinst? Kann sein ..
Zumindest kann ich deine Meinung dazu verstehen und teilen.
Natürlich ist die Warterei immer blöd .. aber andersherum - will ich wirklich ein Buch lesen, was vielleicht nachher den Eindruck erweckt, als wäre es mal schnell dahingeschrieben worden, nur damit man etwas zu lesen hat? Lieber nicht ..
Dann warte ich lieber, genieße die Vorfreude und freue mich nachher umso mehr, wenn ich ein neues Buch in den Händen halte. Und ehrlich - es gibt mehr als einen Autoren, den man liest. Das heißt, man hat auch mehr als ein lesbares Buch.
Ich persönlich erwäge ja immer noch den Mistgabel - und Fackelzug zum Verlag ;-) Das liegt aber nur daran, dass ich mich weiterhin nicht mit einem EReader anfreunden kann und gefühlte Jahrzehnte auf die Paierausgabe warten muss (Ja, ich weiß, dass der Verlag da nichts mehr zu kann - aber ich pieks lieber die mit der Gabel als unbekante Buchhänderl ;-) )

Abgesehen davon - schreib deine Meinung dazu ruhig offen und direkt. Grad auch bei Facebook. Vielleicht geht's dann mal in den Kopf. Weil hier werden diejenigen wohl leider nicht mitlesen.

{ Nazurka } at: 22. Juni 2013 um 00:28 hat gesagt…

Hey Ho,
Als Teilnehmer der letzten LYX Challenge wollte ich dich gerne informieren, dass nun eine zweite Runde der Challenge startet! Wenn du wieder Lust hast mitzumachen, dann besuche doch folgende Seite, auf der du alle nötigen Infos finden wirst!

http://buchrezensionen-nazurka.blogspot.de/p/lyx-challenge.html

Wir freuen uns auf dich!
LG Sarah & Nazurka

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