Interview mit Jazz Winter #2

Und schon folgt Teil 2 meines Interviews mit Jazz Winter. Nur falls ihr euch wundert, wieso es nicht in einem Post erscheint: Wir haben den Rahmen bzw. meinen Hintergrund gesprengt, denn er hörte einfach mittendrin auf :D
In diesem Teil des Interviews spoilert Jazz ein wenig über ihre Erscheinungen im kommenden Jahr, was mich natürlich freut, denn damit war ich die Erste, die es erfahren hat. Und weil ich so nett bin, teile ich das natürlich mit euch ;)  Viel Spaß mit Teil 2... 

Was für Kriterien muss ein gutes Buch deiner Meinung nach erfüllen? Wie sehen diese speziell für dich bei erotische Romane aus?
Ein gutes Buch, ob nun Erotik oder nicht, muss mich fesseln können. Wenn ich ein Buch anlese, was ich grundsätzlich mache, bevor ich es kaufe, bin ich immer gespannt, was der Autor mit mir anstellt. Wirft er mich ohne Wenn und Aber in die Geschichte, oder lässt er es langsam angehen? Wichtig dabei ist, es muss mich fesseln können, sowohl im Schreibstil als auch mit der Geschichte an sich. Und was ich sogar nicht mag, sind klassische Klischees, gerade in der Erotik. Zum Beispiel diese aalglatten, starken, durch nichts zu erschütternden Alphahelden, kann ich nicht ab. Mag ich selber nicht schreiben und will ich auch ehrlich gesagt nicht lesen. Weil es schlicht weg, unnatürlich und nicht überzeugend ist. Jeder Mensch hat seine Ecken, Kanten und Macken und umso echter wirken Protagonisten, wenn sie das eben auch haben. Genauso wie man echte Menschen mit ihren Macken liebenswert findet, um so liebenswerter sind eben auch die Macken von Buchhelden. ;) Ein Autor muss mich einfach zu Tränen rühren können, mich zum Lachen bringen, mich faszinieren und mich mit seinen Worten in die Geschichte selbst katapultieren können. Wenn ich dann ein Buch schließe, will ich sagen können: Wow, was für eine Geschichte. Dann ist es in meinen Augen ein gutes Buch. 

Welches Buch muss jeder einmal gelesen haben? Was liest du selbst gerne?
Mit Buchempfehlungen bin ich immer sehr vorsichtig aus dem einfachen Grund: Bücher hängen vom persönlichen Geschmack ab. Selbst bei der klassischen Weltliteratur scheiden sich die Geister. Was mir gefällt, muss anderen noch lange nicht gefallen. Da ich selbst einen recht ausgeprägten Geruchssinn besitze, bin ich zum Beispiel ganz hin und weg von "Das Parfüm" von Süßkind. Es gibt viele Fans von Tolkien, aber ich bevorzuge mittlerweile lieber George R.R. Martin. Ebenso kontrovers wird zB. die Geschichte der O diskutiert. Oder nehmen wir mal Marquis de Sade. Nicht jeder mag Rilke, Keats oder Wilder. Ich bin ein großer Fan von Shakespeare und immer wieder erstaunt, wie weit seine Fühler reichen und wie oft man seine Stücke in Romanen und Filmen verwertet sieht. Aber auch er ist nicht jederfraus/manns Geschmack.  
Ich lese sehr viel quer Beet durch die Genre. Erotik natürlich, weil ich gerne sehe was meine lieben Kolleginnen so "treiben" *lach* von denen ich einige uneingeschränkt empfehlen kann, weil sie einfach genial schreiben. Paranormal, auch wenn sich das langsam bei mir etwas ermüdet, bei der Masse an Büchern, wo man sich als Leser langsam doch etwas erschlagen wiederfindet. Da hatte ich mal vor längerer Zeit einige Serien begonnen, bei denen ich aber mit jedem Buch merkte, das wird immer absurder und ideenloser, was mich dann dazu brachte, sie wieder abzubrechen.
Im Moment lese ich parallel "A Dance with Dragons" der aktuelle Band von George R. R. Martin und Anne Fortier - Julia. Und das Nächste wird wohl "Hiobs Brüder" von Rebecca Gablè, auf Empfehlung meiner Mutter. ;) 

Wenn man sich die Thematik deiner Bücher betrachtet, fällt einem auf, dass du sehr gerne die Komponenten Dominanz und Unterwerfung, Soft-SM & BDSM in deinen Romanen verwendest. Wie bist du auf dieses spezielle Genre gekommen und was fasziniert dich daran?
Dadurch, dass ich selbst viel Erotikromane lese und vor meinem Ersten eigenen auch schon, ist mir aufgefallen, dass viele Vanilla-Erotikautorinnen plötzlich anfingen, sich mit Dominanz/Devotion und BDSM in ihren Bücher auszutesten. Was mich daran immer wieder gestört hat, war die Oberflächlichkeit, mit der diese Thematik behandelt wurde zu dem Zeitpunkt. Oftmals wurde in den Romanen diese Thematik mit Gewalt und Brutalität gleichgesetzt und die weiblichen Figuren fanden es am Ende doch alles ganz toll und geil (sorry aber so kam es mir vor) oder das Ganze war nur halbseidig in Watte gepackt und völlig unglaubwürdig dargestellt. Da ich Bekannte in meinem Freundeskreis habe, die sich in der BDSM-Szene bewegen und mir viel darüber erzählt haben, hatte ich bereits einen kleinen Einblick und ich fand es eben gar fürchterlich, solche typischen Klischees von dem brutalen dominanten Helden und der verschreckten unsicheren Heldin lesen zu müssen. Dazu kommt einfach auch, dass man beim Lesen merkte, die Autorinnen haben sich nicht wirklich mit dieser Thematik mal auseinandergesetzt, denn im Grunde hat man zu lesen bekommen, was auch die Gesellschaft unwissend über BDSM denkt. Dass die Liebessklavin dann aber ein BDSM-Roman wurde, ist einfach passiert. Plötzlich habe ich angefangen im Internet speziell mich mit dem Thema zu befassen, weil ich den Anspruch an mich selbst hatte, wenn schon BDSM, dann aber im richtigen Kontext und nachvollziehbar, wie es sein sollte. Ich fand es wahnsinnig aufschlussreich, zumal ich selbst viel gelernt habe bei den Recherchen und mir einige Forenuser aus einem BDSM-Forum sehr intime Einblicke geschenkt haben, um meine Protagonisten so zu zeichnen, wie sie geworden sind. Interessiert war ich vor allen Dingen daran, was Frauen und Männer bewegt, ihre Neigungen zum BDSM auszuleben, was sie empfinden, was sie fühlen, was sie über sich selbst denken und erleben. Dabei hat mir auch mein Bekanntenkreis sehr weitergeholfen.  
Mich fasziniert einfach dieser Mut dazu zustehen, in unserer Gesellschaft, die voller Vorurteile gern mit dem Finger auf andere Menschen zeigt, und die persönliche Neigung auszuleben, um sein ganz persönliches Glück zu erleben. Diese enorme Unterschiedlichkeit, was die Gesellschaft aus Unwissen und Ignoranz darüber denkt und was sich tatsächlich dahinter verbirgt. Bestes Beispiel: Eine devote Frau mit Hang zum Masochismus wird in der Gesellschaft als verunsicherte, psychisch labile Person betrachtet. Sie steht darauf sich vermöbeln zu lassen und unterwirft sich in der Zeit von Feminismus und Emanzipation einem dominanten Alltagsversager! FAKT ist aber: die devote Frau ist eine stolze, selbstbewusste und starke Person, die sich aus Liebe und Leidenschaft freiwillig einem dominanten Partner sexuell unterwirft und beide dadurch Erfüllung und Glück erleben.  
Witzig finde ich immer wieder die Fassungslosigkeit, mit der ich angesehen werde, wenn ich BDSM mit Homosexualität vergleiche. Früher was es als Sodomie verschrien und sogar verboten. Männer wurden deswegen ins Zuchthaus gesteckt und öffentlich denunziert. Selbst heute noch, wo es normal sein sollte, werden homosexuelle Männer und Frauen immer noch beschimpft, geschlagen, verpönt und so gar ermordet. Klischees und Vorurteile sind so verdammt schwer aus den Köpfen der Gesellschaft zu radieren. Doch wem schaden diese Menschen denn? Niemandem! Sie leben das aus, was in ihnen steckt und finden stets ihr Gegenstück. Die Menschen in dieser Gesellschaft halten sich für so wahnsinnig tolerant, aber die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Und schwarze Schafe gibt es überall, in jeder Gesellschaftsschicht, in jedem Alter, in jeder Kultur und Subkultur.  
Es gibt noch vieles was ich wissen will und vieles darüber zu lernen und zu verstehen. Deswegen wird mir wohl auch nicht so schnell der Stoff für Romane ausgehen. ;)

Ich wüsste sofort welche deiner Romanfiguren ich wählen würde aber welche deiner Protagonisten ist dir besonders ans Herz gewachsen und wieso?
Ach, wenn ich ehrlich bin, ich liebe sie alle. Manche von ihnen haben sogar echte Vorbilder aus dem Alltag, oder ich habe von ihnen geträumt oder sie sind wie aus dem Nichts plötzlich vor meinem geistigen Auge aufgetaucht. Aber wenn ich sie mit Leben fülle ist das so fantastisch, dass ich mich am Ende eines Romans immer ein wenig traurig fühle, weil das wie ein Abschied von einem liebgewonnenen Freund ist. Aber das Schöne ist, ich habe ihre Geschichte erzählt und damit sind sie ein kleines Stück unsterblich.  

Diese Frage interessiert besonders die kleine (angehende) Architektin in mir. Du beschreibst in deinen Büchern sehr detailliert die Räumlichkeiten und Häuser deiner Figuren, hast du auch dafür eine Inspirationsquelle oder zeichnest du dir sogar kleine Skizzen und Grundrisse?
Das von einer Architektin zu hören, macht mich gerade mal sprachlos. *schmunzel* Mir fällt sowas nie leicht, weil es mir im realen Leben oft passiert, dass ich vor einem hinreißenden alten Gebäude stehe und mir schlichtweg die Worte fehlen, um es zu beschreiben. Ja ich weiß, es ist sicher seltsam sowas von einer Autorin zu hören, aber es ist so. Ich habe schon immer eine Schwäche gerade für alte Bauten und Baustile und Gebäude gehabt. Ich mag gemütliche, schöne Räume mit dem besonderen Etwas. Aber um sie in Worte zu fassen, muss ich sie mir detailliert vorstellen. Das sind meist Schreibpausen, die ich dann einlegen muss, um das Ganze in Gedanken so auszuschmücken, dass ich sie auch beschreiben kann. Ebenso möchte ich natürlich auch dem Leser nicht all zu viel vorwegnehmen, damit auch seine Fantasie die Räume und Gebäude selbst füllen kann. Wenn mir das gelungen ist, dann freu ich mich. ;) 

Stuart besitzt einen Leonberger Rüden. Ist das eine kleine Hommage an deine eigenen kleinen Ponys?
*lach* Ja das kann man fast schon sagen. Aber ich fand auch die Idee einfach schön, diesen dominanten, strikten Peitschenliebhaber von einer ganz anderen, weicheren Seite zu zeigen. Haustiere machen Menschen sympathischer als ohne, und der Gedanke diesen erfahrenen BDSMler in Interaktion mit einem Hundepony ohne Strenge und nur mit reiner Körpersprache zu zeigen, fand ich einfach schön. Ich liebe solche kleinen Details einfach. Ob sie auffallen oder nicht, ist nicht wichtig, aber für mich war die Szene zwischen Stuart und seinem Leonberger einfach zu schön, um sie nicht zu schreiben. ;) Und ein bisschen von mir treibt sich eh in den Büchern rum. Warum also nicht auch meine Pelztiere. ;) 

In diesem Monat erscheint dein Ü-Ei-Roman „Absolute Hingabe“, magst du uns etwas darüber erzählen? 
Der Roman dreht sich um die BDSM-Thematik 24/7 Unterwerfung und zeigt auch wieder entgegen der typischen Klischees, wie so etwas passieren kann, wenn man den richtigen Mann im Leben trifft. *schmunzel* 
Diese Idee ist mir irgendwie dieses Jahr in den Schoß gefallen, gerade als ich ein wenig aus persönlichen Gründen an den Feuerküssen (Band 3 der BDSM-Reihe) gestrauchelt bin. Ruben Eastwick ist Emmas Dom, ihr Erster. Ebenso ist er auch noch ihr Abteilungsleiter in der Firma, in der sie arbeitet. Emma weiß, dass er verlobt ist, demnach ist es tatsächlich nur eine reine Spielbeziehung zwischen ihnen. Doch Rubens Braut hat keine Ahnung von seinen dominanten sexuellen Neigungen und das soll auch so bleiben. Ruben hält Emma jedoch für zu labil und zerbrechlich, als sie einfach hinter sich zu lassen. Der Gedanke, dass sie nach seiner Hochzeit auf eigene Faust sich einen neuen Dom sucht und wohlmöglich in falsche Hände gerät, gefällt ihm gar nicht. Also beschließt er, sie einfach an seinen besten Freund zu übereignen und ist der felsenfesten Meinung, dass Emma eine perfekte Kandidatin sei, eine O zu werden, wie in dem klassischen Buch "Die Geschichte der O". Ruben bester Freund Cedric Seymour ist ebenso fassungslos wie Emma selbst. Denn Cedric bevorzugt nur erfahrene Subs und stellt fest, dass Emma alles andere als Erfahrung besitzt und das Ruben so einiges vergessen hat, Emma als Frischling in der Szene zu erklären. Genau das aber beginnt Cedric zu reizen, also macht er Emma ein Angebot - 72 Stunden, in denen er ihr Tag und Nacht einiges zeigen möchte, was allerdings ihre absolute Hingabe, Unterwerfung und ihr Vertrauen benötigt. Ohne wirklich sich über die Konsequenz seiner Forderung bewusst zu sein, geht sie den Deal ein und verliert sich selbst für eine Weile völlig darin. Denn Cedric ist ein völlig anderes Kaliber Dom als Ruben es jemals war und stellt Emma vor einige Herausforderungen.  
Mehr verrate ich nicht ;) Aber ich hoffe, der Einzelband wird Euch gefallen, ich bin schon ganz gespannt auf Eure Meinungen.
Es hat jedenfalls irre viel Spaß gemacht das Buch zu schreiben und ich hoffe, die Geschichte wird euch ebenso fesseln, wie es mir selber passiert ist. ;)

Für alle die dich nicht auf Facebook stalken *hust*. Arbeitest du momentan an einem bestimmten Projekt, welches sich noch in den Kinderschuhen befindet und möchtest du uns womöglich etwas darüber erzählen? Eventuell sogar etwas über die Cowboystory, über die du schon einmal etwas gepostet hattest?
Zuerst habe ich mir vorgenommen die Feuerküssen zu beenden, auf die meine lieben Leser so hibbelig warten. Dann ist noch ein 4. Teil der BDSM MiamiBeach-Reihe geplant, der schon recht weit fortgeschritten ist und so einige Überraschungen parat haben wird. Auf den freu ich mich schon, weil ... hm, vielleicht werden da sämtliche Figuren aus den anderen Teilen noch mal auftreten ... ;) Dann wird es wohl einen zweiten Band meiner Skinchanger geben und ich habe noch einige Ideen in der Hinterhand, die danach schreien mein 2012 mit verflucht viel Arbeit zu füllen *lach* Auch wieder einige Einzelbände im Dominanz/Submission Bereich, wie zum Beispiel eine BDSM-Story die in Hawaii spielen wird. *schmunzel* Ja und natürlich mein Cowboyroman, der fast beendet ist. Zu viel will ich eigentlich noch nicht verraten, weil all diese Sachen auch erst noch von meiner Lieblingsverlegerin abgesegnet werden müssen, von daher, lasst euch einfach überraschen. 2012 wird glaube ich ein sehr produktives Jahr, wenn ich mir das alles so ansehe. ;)

Wichtige Frage zum Schluss: Tee oder Kaffee?

Ich kann es auch nicht oft genug sagen ... Ich bin Kaffeesüchtig! Aber gerade jetzt in der Winterzeit gönn ich mir auch gern mal einen leckeren Chai-Tee oder einen ordinären Pfefferminztee, von den Blättern aus meinem eigenen Garten ;)

Na habe ich Zuviel versprochen? Wir dürfen uns auf ein lesereiches Jahr einstellen und ich kann es gar nicht erwarten alles zu lesen :) Ich kann es gar nicht oft genug sagen, Danke Jazz für dieses wunderbare Interview!

Hier geht es zum 1. Teil des Interviews :)

Und wenn ihr hier abbiegt, geht es zu Jazz Winters Homepage  und in dieser Richtung zu ihrer Facebookseite  *lach*

Hier geht es zu den Reviews ;)



Quelle von Cover,  Autorenvita: Plaisir d'Amour

2 Kommentare

{ Jazz Winter } at: 16. Dezember 2011 um 18:39 hat gesagt…

Ich danke dir, für deine tollen Fragen, es hat viel spaß gemacht!

liebe Grüße
Jazz

{ AusZeit-Mag } at: 17. Dezember 2011 um 11:06 hat gesagt…

Sehr schönes Interview!

Hat Spaß gemacht es zu lesen!


Liebe Grüße
von den AusZeit-Mädels :)

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