Cassandra Norton - Gefangene des Scheichs

Autorin: Cassandra Norton
Titel: Gefangene des Scheichs
Seiten: 192
Preis: 14,90 € bzw. eBook 6,99 €

Der Roman, sowie die Review ist für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet.

Inhalt
Victoria Stockbridge, eine junge Adelige im London der 1920er Jahre, verliebt sich Hals über Kopf in den verschlossenen Nicolas Whitby. Kurzentschlossen folgt sie ihm bis nach Arabien, wo sie ihn in einer vollkommen fremden Welt findet. Er ist ein gefürchteter Stammesfürst - und außer sich vor Wut, als er Victoria entdeckt! Er will Victoria für ihre Tollkühnheit eine Lektion erteilen, doch was als sinnliche Bestrafung beginnt, verwandelt sich rasch in wilde Leidenschaft.
Aber dann wird Victoria von Nicolas' Todfeind, dem Schwarzen Prinzen, entführt, mit dem Nicolas noch eine Rechnung offen hat ...
Review
Ich habe lange überlegt diese Review zu veröffentlichen, da ich nicht gerade Gutes darüber zu sagen habe. Aber ich hab mich jedoch dazu entschieden etwas über diesen Roman zu schreiben, da mir bei meiner aktuellen Lektüre erst genau klar geworden ist, was mich genau an "Gefangene des Scheichs" gestört hatte.

Ich weiß gar nicht, was ich genau erwartet habe aber die Inhaltsangabe hat mich angesprochen und das Cover natürlich auch. Der Verlag weiß einfach, wie man ansprechende Cover gestaltet. Ich möchte gleich sagen, dass ich eine Menge verraten werde, aber nur so kann ich beschreiben, was mich genau gestört, sogar ab und an abgestoßen hat.

Wie ich schon schrieb, klang die Inhaltsangabe sehr ansprechend und ich erwartete einen guten historischen Roman mit dem Thema Dominanz und Unterwerfung und Vanilla, was ich letztendlich gelesen habe entsprach nur teilweise dieser Beschreibung.
Zuerst etwas zum Genre Historisch, dieser  Roman spielt 1924 in England sowie in Arabien. Ich habe eine ungefähre Vorstellung, wie es zu dieser Zeit war, aufgrund des Geschichtsunterrichtes und Erzählungen von Verwandten. Gleich zu Beginn des Buches war ich jedoch verwirrt und musste noch mal nachschauen, wann er genau spielte, denn mir kam alles zu antiquiert vor. Für mich entsprachen die Beschreibungen eher der Zeit um die Jahrhundertwende als die der 20er Jahre, einmal abgesehen von der Kleidung. Ich fand einfach keinen Einstieg in diese Zeit und dies änderte sich auch nicht im Laufe der Handlung. Die Geschichte und Moralvorstellungen waren für mich teilweise nicht nachvollziehbar. Dies war für mich schon einmal der erste Negativaspekt an diesem Roman. Jedoch hätte es mich nicht weiter gestört, wäre die Story ansprechend gewesen, doch leider war sie es in meinen Augen nicht.

Wer jetzt sagt, ich hätte mich doch vorher informieren können, dem sei gesagt, dass ich dies tat. Ich habe mir die Bewertungen bei Amazon angesehen und diese waren durchweg positiv. Nach dem Lesen fragte ich mich wirklich, ob ich etwas anderes gelesen habe, denn ich stimme diesen guten Meinungen in keinster Weise zu.
Den Roman wollte ich am liebsten nach 50 Seiten weglegen. Zwar wurde "Gefangene des Scheichs" auf der Verlagsseite mit "Dominanz und Unterwerfung, Vanilla" beschrieben, doch dies habe ich nicht gesehen, vielmehr empfand ich die sogenannte Unterwerfung der ersten Sexszene schon fast als brutalen Überfall. Zwar fand die Protagonistin gefallen daran, doch mich stieß es erst einmal ab und ihre Denkweise war mir nicht begreiflich. Darüber konnte ich ja noch hinwegsehen, da es ab und an in dieser Thematik auch etwas ruppiger zugeht, doch die nächste Szene in der Wüste empfand ich nur noch als erniedrigend und demütigend. Für mich war das keine Dominanz oder Unterwerfung, sondern schlichtweg Missbrauch. Es ist ein schmaler Grat, mit dem die Autorin in diesem Roman gespielt hat, aber für mich blieb er einfach auf der falschen Seite. Whitby behandelt sie wie Dreck, schlägt  und demütigt sie in einem  fort und sie ist so dumm und naiv und liebt ihn immer noch. Für mich absolut nicht nachvollziehbar, da es keine weitreichenden Erklärungen gab. Es wurde einfach als Tatsache stehen gelassen.

Das ist die eine Seite der Thematik, doch es gab ja noch die Vanilla-Seite, doch auch diese war für mich unlogisch und nicht nachvollziehbar. Die beste Erklärung ist sogar gleich die nächste Sexszene, doch zuerst eine kleine Erklärung meinerseits. Victoria und  Whitby begegneten sich das erst mal in London. Sie war vom ersten Moment an von ihm fasziniert und hat sich in den Kopf gesetzt, ihn zu bekommen. Er wirkte stets unterkühlt, distanziert und in keinster Weise an ihr interessiert. Jedoch küssten sie sich leidenschaftlich nach seinem Vortrag und als sie ihn biss, verschwand er ohne Erklärung. Ein paar Tage später, Victoria total verliebt in ihn, begegnen sie sich auf einer Feier, bei der er sie wieder einmal ignoriert und sogar mit einer anderen Frau verschwindet. Sie will dies nicht hinnehmen, folgt ihm, stellt ihn zur Rede und ohrfeigt ihn letztendlich. Daraufhin flieht sie und er folgt ihr, reißt ihr das Kleid vom Leib und entjungfert sie sehr grob im Garten. Sie nimmt es hin und findet auch gefallen daran, auch wen sie sich ihr erstes Mal anders vorgestellt hatte. Alles an dieser Begegnung hinterließ bei mir einen fahlen Nachgeschmack und ich stufte Whitby als ein totales Arschloch ein, auch weil er am nächsten Tag das Land verließ. Jetzt zu der besagten Vanillaszene: Victoria flieht vor ihm, um seinen Demütigungen zu entgehen und weil sie erkannt hat, dass sie ihm nichts bedeutet und er sie sogar für eine Spionin hält. Wie es nicht anders kommen kann, ergreift er sie bei einer Oase. Plötzlich ist er total verändert, kümmert sich liebevoll um sie, sagt ihr, dass er sie liebt... Moment? Wie Liebe? Ich war total verwirrt, wo kam dass den plötzlich her? Keine Andeutungen, keine Erklärung. Wieder fühlte ich mich wie vor den Kopf gestoßen und dies war wieder einer der Stellen in diesem Roman, bei der ich mir dachte, dass Seiten abhandengekommen wären. Wann hat er sich in sie verliebt, und wenn er sie liebt, wieso behandelt er sie so mies? Natürlich ist sie hin und weg und schwebt wieder auf ihrem rosaroten Wölkchen Nummer 7. Doch diese Szene, auch wenn ich sie als Vanilla einstufen würde, war wieder geprägt von Zwang. Sie wollte dies nicht, er tat es dennoch und wieder gefiel ihr es. Stunden später sind diese "romantischen Geschehnisse" wieder Vergessen und er  bezichtigt sie der Spionage, schlägt und erwürgt sie fast und dann fällt er über sie her und sie findet es toll. Wie gesagt für mich unbegreiflich. Bin ich einfach zu zartbesaitet? Schon möglich und mir ist auch klar, dass zur Unterwerfung auch mal Schläge dazugehören, doch was in diesem Buch beschrieben wurde gehört definitiv nicht in diese Kategorie. 

Und nach meiner aktuellsten Lektüre weiß ich jetzt auch ganz genau, was mich störte. Der Roman gehört zur Thematik Dominanz und Unterwerfung und für mich heißt das, dass es klare Grenzen gibt. Natürlich muss jemand mal zu seinem Glück gezwungen werden aber nicht auf diese Art und Weise. Wenn ich hören würde, was der Held des Romans mit der Protagonistin macht und außen vor lassen würde, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, würde ich klar von Missbrauch, Gewalt und Misshandlungen innerhalb einer Beziehung sprechen. Sie wurde kopfüber ins kalte Wasser geworfen und hatte keine Ahnung auf was sie sich einließ und kannte einfach die Spielregeln nicht. Für mich hatte dies nichts mit Erotik zu tun. Und als dann auch noch eine Beinahe Vergewaltigung beschrieben wurde, war es ganz für mich aus. Es ist für mich unbegreiflich, wie jemand dies alles gut finden kann. Ich mache mir wahrscheinlich einfach zu viele Gedanken darüber. Ich versuche die Handlungen, Beweggründe und die Gefühle der Hauptfiguren zu begreifen, was mir dieser Roman wirklich schwer gemacht hat. Es wurden kaum Erklärungen geliefert, Dinge weggelassen. Die Figuren wurden nur oberflächlich beschrieben, weswegen mir auch Victorias plötzliche Wandlung von einer dummen und naiven jungen Frau zu einer intelligenten, scharfsinnigen und toughen Frau nicht nachvollziehbar erschien. Die Figuren gaben mir nichts, ich könnte nicht mal direkt sagen, dass ich sie unsympathisch fand, denn dafür wurden sie schlichtweg nicht gut genug beschrieben. Klar empfand ich den Protagonisten egoistisch, unberechendbar und brutal aber all dies erkannte ich nur aus seinen Handlungen. Was in seinem Kopf geschah, blieb gänzlich außen vor. Man kann ihn nur anhand seines Verhalten einschätzen und dies empfand ich als ungenügend. Für mich müssen Figuren tiefgründig sein...

Nun zu einem Positivaspekt, obwohl ich bin mir nicht sicher, ob man es als positiv erachten kann, wenn man das Buch nicht gut fand aber die Schreibweise bzw. die Wortwahl war gut gewählt und hatte nichts bzw. kaum vulgäres an sich. Ich glaube, wenn es dies gehabt hätte, hätte ich dieses Buch niemals zu Ende gelesen. Man merkt, dass es nicht das erste Buch der Autorin war, doch für mich war es leider das Falsche. Ich habe einfach ein Problem mit Gewalt und Missbrauch, wenn es nicht klar abgegrenzt ist und sich im Rahmen von Sessions und abgemachten Arrangements abspielt.

Wie gesagt, für mich war es absolut das falsche Buch, obwohl ich die Thematik der Dominanz und Unterwerfung mag. Ich kann einfach nichts Besseres vergeben als eine Eule, auch wenn das Thema das richtige und das Cover schön ist, der Inhalt mich aber nicht überzeugen konnte.

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